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GSK 3. Mannschaft

Regionalliga SVM 2010/2011

Bericht Runde 4

Godesberger SK III - SG Niederkassel I (4½ : 3½)


 

Wichtige Punkte gegen den Abstieg?

Nachdem wir in dieser Saison in der SVM-Regionalliga zunächst durch Pech, dann durch Unvermögen und schließlich chancenlos verloren hatten, wurde es so langsam Zeit, ein oder gar zwei Punkte gegen den Abstieg zu sammeln, um nicht so zu Ende wie Tasmania Berlin Mitte der 60ziger in der Fußballbundesliga.

Nun waren die Schachfreunde aus Niederkassel nicht gerade das, was man gemeinhin als Aufbaugegner versteht und ein Blick auf die Mannschaftsaufstellung ließ in der Tat einen spannenden und harten Kampfverlauf erwarten. Um so nervenschonender, dass Peteris Sondors nach knapp zweieinhalb Stunden der frühe Führungstreffer gelang. Mit der Effizienz einer Planierraupe bei Abbrucharbeiten, schob er die Schwarze Stellung an die Wand und nötigte seinen Gegner zum Handtuchwurf. Da zu diesem Zeitpunkt auch an allen anderen Brettern keine größeren Probleme zu sehen waren, schien es Robert Biedeköpper eine gute Idee, mit Schwarz das Remisangebot seines Gegners zu akzeptieren.

Leider verknatterten Samir Zupcevic und ich daraufhin postwendend unsere aussichtsreichen Stellungen an drei und vier. Während ich vom Nachbarbrett nur den Erleichterungsseufzer von Samirs Gegner bei Remisschluss mitbekam, war es von meiner eigenen Partie offensichtlich auch nicht viel mehr. Mein jugendlicher Opponent hatte meinen Eröffnungslapsus nicht nur nicht brutalst möglich bestraft, sondern war auch noch in einen Konter in Form eines Qualitätsopfers gelaufen, der mir die Abwicklung in ein gewonnenes Endspiel ermöglichte. Die Regel der russischen Schachschule folgend, dass man nach zwei Niederlagen in Folge möglichst ein sicheres Remis einstreuen sollte, vermied ich mit traumwandlerischer Sicherheit alle forcierten Gewinne und setzte unter den mitleidigen Blicken kundiger Zuschauer den weißen König patt, brrrrrr.

Kaum war das Lachen meines Gegners verhallt, machte es Uwe Schenk Brett zwei deutlich besser und baute unsere Führung aus. Für meinen laienhaften Blick war es eine taktisch äußerst scharfe, verworrene, mit offenem Visier ausgetragene Partie. Uwe konnte in Zeitnot eine Figur gewinnen, beide Könige standen aber ziemlich nackt dar, was – wie ich mal gehört habe – bei Schwerfiguren auf dem Brett ziemlich schnell ziemlich tückisch werden kann. Uwe meisterte diesen Teil gegen seinen starken Gegner jedoch ruckelfrei und setzte Matt. Ein Mannschaftspunkt war somit schon einmal gesichert, denn Fan Zhang versuchte bei sicherem Remis wie schon vier Stunden zuvor, die äußerst solide Verteidigung ihres Gegners zu knacken. Sie kämpfte bis zur letzten Patronen, musste sich schließlich aber bei jeweils zwei Bauern auf einem Flügel und je einer Leichtfigur ins unvermeidliche Remis fügen.

Auf Jan Mantau und Karl Koopmeiners kam jetzt die anspruchsvolle Aufgabe zu, noch zumindest ein Remis zum ersten Mannschaftssieg beizusteuern. Karl hatte sich in das berühmte Turmendspiel mit Turm und f- und h-Bauern gegen null Bauern und Turm gerettet. Dieses Endspiel ist bei korrektem Spiel nicht gewinnbar für die stärkere Seite und war es auch in der konkreten Stellung nicht. Allerdings ist es unterhalb des Super-GM-Levels eine ausgesprochen undankbare Aufgabe, bei knapper Zeit, so rund 60 Züge lang mit dem Rücken zur Wand präzise zu verteidigen. Karl kämpfte wie ein Löwe, musste gegen seinen technisch starken Gegner schlussendlich aber leider die Segel streichen. An Brett eins wurde währenddessen großer Sport geboten: Jan stand zumindest etwas unter Druck, sein Gegner versuchte erfindungs- und trickreich den entscheidenden Punch zu setzen, Jan verteidigte ebenso zäh wie taktisch versiert. Bei jeweils nur noch zweieinhalb Minuten für den Rest der Partie trieb die Partie und der Mannschaftskampf seinem immer noch ungewissen Höhepunkt entgegen. Im Blitztempo folgte Schlag auf Schlag, Jan parierte den letzten Mattangriff seines Gegners, durch Verwandlung eines zur rechten Zeit gestarteten Freibauerns. Mit unter einer Minute auf beiden Uhren war das Remis schließlich unvermeidlich. Bravo! Endstand: 4½:3½

P.S.: Durch die Geschehnisse an drei und sieben animiert, entstaubte ich zu Hause ein Exemplar des empfehlenswerten Buches »101 Chess Endgame Tips«. Der Autor verspricht »Golden nuggets of endgame wisdom«, etwas was er in Hinblick auf das ominöse Turmendspiel auch hält. Hier als Bonus Botvinniks vier goldenen Regeln zur erfolgreichen Verteidigung (Weiß mit f- und h-Bauern):

  1. Weiß gewinnt, wenn der Schwarze König auf der Grundreihe abgeschnitten wird, somit muss Schwarz das auf jeden Fall vermeiden.
  2. Wenn die Bauern f5 und h5 erreichen, sollte der schwarze König auf f7 stehen.
  3. Wenn droht, dass der König auf die Grundreihe getrieben wird, sollte er nach g7 gehen, um das Feld h6 erreichen zu können.
  4. Der Schwarze Turm steht am Besten auf a1 oder benachbarten Feldern rum, um so bei Bedarf sowohl Schachs von hinten, als auch von der Seite geben zu können.

In der Beispielpartie Gligoric – Smyslov (Moskau 1947) klappte das ganz gut, Smyslov hielt in 115 Zügen Remis?!

Ein Bericht von
Stephan Bröhl


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zuletzt geändert am 19. Januar 2011