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GSK 2. Mannschaft

Regionalliga SVM 2011/2012

Bericht Runde 5

Brühler SK II - Godesberger SK II (½ : 7½)

 


Ganz unten

Ganz unten, verborgen in den Untiefen des Kellergeschosses eines Schulzentrums, hermetisch abgeschirmt von Tageslicht und anderen eventuell störenden atmosphärischen Kräften, befindet sich das Spiellokal des Brühler Schachklubs, der dieses Jahr gleich mit zwei Mannschaften in der Regionalliga vertreten ist. So ganz ohne Ablenkung und Zerstreuung, gab es am letzten Sonntag keinen Grund und keine Ausrede, sich nicht Ganz und Gar auf das Schachspielen zu konzentrieren. Als Gast der zweiten Mannschaft waren wir mit dem festen Vorsatz in die Max-Ernst-Stadt gereist, beide Punkte mit nach Godesberg zu entführen.

Ganz unten auch der Tabellenstand unseres Gegners, der zwar als mit Abstand DWZ-schwächste Mannschaft der Liga bisher alle Mannschaftskämpfe verloren hatte, sich dabei aber durchaus tapfer geschlagen hatte und zum Beispiel gegen GSK III nur äußerst knapp mit 3,5 zu 4,5 unterlegen war. Wir waren also gewarnt, die Brühler nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Schnell wurde aber deutlich, dass es auch an diesem verregneten Sonntag für den Verein aus dem Vorgebirge nicht zum ersten Punktgewinn reichen würde. Schon nach etwas mehr als zwei Stunden gelang Olaf Horstmann wie schon beim vorangegangenen Mannschaftskampf der schnelle Führungstreffer. Wieder trug er mit Weiß einen mustergültigen, variantentypischen Angriff vor und nutzte die schwarzfeldrige Schwächung der schwarzen Königsstellung gnadenlos aus. Thomas Stenzel erhöhte wenig später schon zum 2:0. Sein Gegner kam mit einer selten gespielten Eröffnung überhaupt nicht zu recht und Thomas erlangte mit Schwarz aus der Eröffnung heraus zunächst schnell ein großes Übergewicht und ließ anschließend den nur noch ein paar Züge zappelnden Fisch nicht mehr vom Haken.

Apropos zappeln: Als Schwarzer hatte ich wieder einmal eine leicht anrüchige Variante gewählt, die ich schon seit 20 Jahren wie eine schlechte Angewohnheit, die man einfach nicht los wird, immer und immer wieder spiele. Anscheinend habe ich aus den zahlreichen Partien noch nicht einmal etwas gelernt, denn all zu gierig hatte ich einen Köder in Form eines Bauern geschnappt und musste zur Strafe einen heftigen Angriff über mich ergehen lassen. Mit einiger Sicherheit war das die Partie, in der die Brühler einem vollen Punkt am Nächsten waren. Erst drei Fehler in Reihe beendeten dieses Trauerspiel abrupt nach 28 Zügen zu unseren Gunsten und zum 3:0 Zwischenstand. Die nächsten zwei Punkte und damit der Gesamtsieg ließen dann ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten, waren aber wesentlich überzeugender heraus gespielt. Sowohl Ferdi Roski als auch Matthias Gerusel boten sauberes Positionsschach und ließen ihren Gegnern keine Chance. Insbesondere Ferdis Weißpartien hinterlassen bei mir sehr häufig einen starken Eindruck. Nach relativ anspruchsloser Eröffnung überspielt er seine Gegner häufig unmerklich Stück für Stück, ohne jemals eine »richtige« Drohung aufgestellt zu haben – so auch diesmal.

Die letzten drei Partien gingen jetzt bis zur ersten Zeitkontrolle oder noch darüber hinaus: Zu Hans-Christoph Andersen Partie am ersten Brett kann ich leider keine wirklich qualifizierte Einschätzung abgeben. In einer für mich hochkomplexen, undurchsichtigen königsindischen Stellung verbrauchten beide Spieler viel Zeit, wobei Christophs Angriff am Damenflügel mir stichhaltiger erschien, als der etwas brachial vorgetragene Opferangriff des Schwarzen am Königsflügel. Sicher ist jedenfalls, dass mit jeweils etwa zwei Minuten für 15 Züge, Weiß souverän alle schwarzen Drohungen parierte und Christophs großer Materialvorsprung seinem Gegner kurz vor erreichen des 40zigsten Zuges nur noch den Handschlag übrig ließ. Vor der gleichen unerfreulichen Situation stand oder vielmehr saß wenig später kopfschüttelnd Ulrich Rohdes Gegner, der seine positionelle Holländisch Ruine sehr lange notdürftig am Laufen gehalten hatte. Da ich viele ganz ähnliche Stellungsbilder aus Ulrichs Schaffen aus gemeinsamen Lohmarer Zeiten kenne, ahnte ich sehr bald, dass es vielleicht etwas dauern würde, Schwarz in dieser Partie aber nie mehr den Hauch einer Chance bekommen würde. Schlussendlich war es einzig und alleine Sandros Taktgefühl geschuldet, dass den Brühlern die nun wirklich unanständige Höchststrafe erspart blieb: Sein Gegner klammerte mit Weiß von Beginn an auf Remis – wer will es ihm bei 300 DWZ-Punkten weniger verdenken. Sandro quetschte mit Schwarz zunächst das Maximum aus einem remislichen Turmendspiel und erreichte tatsächlich nach fast fünf Stunden ein zwar gewinnträchtiges, aber nicht ganz triviales Bauernendspiel. Hier schätzte er in der Vorausberechnung ein mögliches Damenendspiel falsch ein und vergab die hartnäckig und zäh heraus gespielten Gewinnchancen leider wieder. Remis nach fast sechs Stunden, Endstand 7,5 zu 0,5 für Godesberg.

Stephan Bröhl

 

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zuletzt geändert am 1. Dezember 2011