Chronik

GSK-Chronik Teil 1 (1929 bis 1989)

von Günter Poell

Prolog Aus grauer Vorzeit Die Gründerzeit Der Zusammenschluss Der Aufbau Hans Saßnick – Seine erste Zeit Der Einbruch Der Wiederaufbau Die Nachkriegsphase Weiter mit Hans Saßnick Ein Jahrzehnt mit Adolf Bähne Die Zeit mit 'Leo' – Sechs Jahre mit Dr. Curt Loewe Drei ruhige Jahre mit Paul Leyendeckers Die Zeit mit Dr. Herzog – Umzug und Meisterschaft Tradition und Fortschritt mit Servatius Knebel

Prolog

Als ich vor 30 Jahren mit viel Kleinarbeit und nach langen Gesprächen mit älteren Mitgliedern den Versuch unternahm, anlässlich des 50. Gründungstages unseres GSK mit meinem Partner Friedrich von Wilpert zum ersten Mal ein wenig Vereinsgeschichte zu schreiben, blieb manches im Dunkel. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass sich uns einige Jahre später eine wahre »Fundgrube« erschließen würde. Rein zufällig entdeckte man auf dem Speicher des Hauses, in dem unser langjähriger, längst verstorbener Turnierleiter Rudolf Kirchbach wohnte, einen großen Karton mit Beschlussbüchern, Akten und Bildern. Ich habe die Unterlagen seinerzeit ausgewertet und bei der zweiten Fassung dieser Chronik im Jahre 1989 verwendet. Darauf stützte ich mich dann auch bei der dritten Ausgabe 1999 und fügte als Zusammenfassung des jährlich erscheinenden GSK-Archivs, einen Bericht über weiter 10 Jahre an. Dies will ich auch diesmal für das zu Ende gegangene nächste Jahrzehnt tun. Gleichzeitig wird der Gesamttext als nunmehr vierte Auflage noch einmal überarbeitet. Die Fülle des Archivmaterials aus nunmehr 80 Jahren hat dazu geführt, dass die GSK-Chronik nun aus zwei Teilen besteht.

Aus grauer Vorzeit

Schon 1979 konnte ich berichten, dass es vor dem 1. Weltkrieg im damaligen Godesberg (der Zusatz Bad kam erst später) einen Schachklub gegeben hat. Aus dem Archiv des 1905 gegründeten Bonner Schachklubs ist uns ein Schreiben erhalten geblieben, mit dem der damalige 'Godesberger Schachklub' am 27. Mai 1908 die Bonner Kollegen um einen Wettkampf an 7 Brettern bat. Außerdem ist überliefert, dass ein Studienrat des Pädagogium, auch heute noch kurz 'Päda' genannt, interessierte Schüler in der Freizeit mit den Regeln des Schachspiels vertraut gemacht hat.

Der Ranneforth'sche Schachkalender aus dem Jahre 1912 registriert einen 'Godesberger Schachklub' und nennt als seinen Vorsitzenden Hans Classens. Gespielt wurde im heute noch existierenden Hotel Kaiserhof. Der legendäre Heinrich Kerzmann war schon damals Mitglied. Und auch Hans Classens findet man in der Mitgliederliste 1933 wieder. Leider verlieren sich dann aber die Spuren, so dass der GSK heute nur seinen 80. Gründungstag feiern kann und nicht schon auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblickt.

Die Gründerzeit

Im Sommer 1929 trafen sich zwei Freunde: Josef Ließ und Gustav Peter. Sie sprachen unter anderem auch über ihr gemeinsames Hobby, oder wie man damals zu sagen pflegte, ihr 'Steckenpferd': Das Schachspiel. In dieser Stunde keimte der Gedanke, in Godesberg einen 'richtigen' Schachverein zu gründen. Natürlich gab es, was beide wussten, auch in der Badestadt eine Reihe von Anhängern des Königlichen Spiels. Sie spielten aber nicht in einem Klub, sondern nur im Familienkreis oder unter Freunden. Einige Unentwegte trafen sich aber schon damals mit einer gewissen Regelmäßigkeit im Hotel 'Zum Löwen'.

Gustav Peter
Josef Ließ

Josef Ließ und Gustav Peter hatten aber weitreichendere Pläne. Sie dachten an einen aktionsfähigen Schachverein mit Satzung und Vorstand. Vor allem mit einem geregelten Spielbetrieb. Klubturniere und Vergleichskämpfe schwebten ihnen vor. So sprachen sie mit Gleichgesinnten und gründeten bereits wenige Wochen später am 1. August 1929 den 'Arbeiter-Schachverein Godesberg'. Eine Woche später umrundete der Zeppelin die Erde.

An viele der damaligen Mitglieder erinnert man sich heute nicht mehr. Einige Namen seien jedoch, auch für die Nachwelt, festgehalten. Neben den beiden Gründern waren es Toni Eisenhardt, Heinrich Kerzmann und Willi Maubach. Aus dieser Zeit gibt es im GSK-Archiv noch das Mitgliedsbuch von Gustav Peter. Ihm ist zu entnehmen, dass der 'Arbeiter-Schachverein Godesberg' die 126. Ortsgruppe des damals rund 20.000 Mitglieder zählenden Deutschen Arbeiter-Schachbundes bildete. Die noch vorhandene Satzung, die Wettkampfordnung für Einzel- und Mannschaftskämpfe, die allgemeine Turnierordnung und die Spielregeln im Bund unterschieden sich nur wenig von den heute geltenden Bestimmungen.

Gespielt wurde zunächst im Heim der Arbeiter-Jugend, Auguste-Viktoria-Straße Nr. 1, heute Beethovenallee genannt. Das Gebäude wurde vor Jahren niedergelegt.

Die ‚Schachgenossen’, wie sie sich selbst nannten, fühlten sich hier wohl. Es entwickelte sich bereits ein reges Vereinsleben, Klubturniere wurden gespielt. Es gab sogar schon Mannschaftskämpfe mit anderen Arbeiter-Schach-Vereinen in Aachen, Bonn, Düren, Köln, und Trier.

Im Sommer 1931 schlossen sich auf Anregung des Amtmanns Hermann Ufer einige Schachfreunde in Godesberg zu einer zwanglosen Vereinigung zusammen, die zunächst abends im Kurhaus Rheinland, später dann im Hotel 'Zum Löwen', vorübergehend auch im Wartesaal des Bahnhofs und schließlich in den Nachmittagsstunden im Café Ponath das Schachspiel pflegte.

Hermann Ufer (1. Vorsitzender von 1933 bis 1937)

Nach anfänglicher reger Beteiligung, auch von Mitgliedern des Arbeiter-Schachvereins, die ihren Höhepunkt in einer ersten Stadtmeisterschaft von Godesberg hatte. ebbte der Eifer, wie dem ersten Beschlussbuch zu entnehmen ist, leider aber bald wieder ab. Das lag vor allem daran, dass sich die Mitglieder des Arbeiter-Schach-Vereins zurückhielten. Ein Chronist aus diesen Tagen bezeichnete diese Tatsache als bedauerlich, denn bei einem gemeinsamen Auftreten verfügten die Godesberger Schachspieler bereits über eine starke Mannschaft.

Dies zeigte sich bei einem Wettkampf mit dem Bonner SK, der am 6. März 1932 ausgetragen wurde. Für Godesberg siegten Dr. Heinekamp, Gustav Peter und Dr. Menck, remis spielten Stadler und Dr. Ackermann. Für Bonn waren Laute, Lieberz und Böhme erfolgreich, während Leibold und Dederich je ein Remis erkämpften. Endstand 4 : 4.

Am 2. April 1932 kam es dann im Café Ponath zum Rückspiel, und hier verzeichneten die Badestädter einen noch größeren Erfolg. Es siegten Dr. Heinekamp, Kerzmann, Mirbach, Saßnick, Schieffer, Dorten und Zimmermann. Von Oerthel steuerte ein Remis bei. Bonn konnte durch Seehaus, Ketzer und Brinkbäumer ganze Zähler verbuchen, während Bischke Unentschieden spielte. Dieser schöne Erfolg mit 6,5:3,5 an zehn Brettern war erstaunlich, weil der Bonner SK damals schon ein sehr bekannter starker Schachverein am Mittelrhein war.

Der Zusammenschluss

So gab es etwa vier Jahre lang in der Kur- und Badestadt zwei Schachvereine. Man sagt zwar, dass Konkurrenz belebt, aber hier war sie sicherlich weniger förderlich. Nichts lag also näher als eine Fusion, aber sie war schwer zu bewirken, denn die Bindung des Arbeiter-Schachvereins an seine Dachorganisation war stark, und die 'Freie Vereinigung Godesberger Schachfreunde’ wollte ihre Identität auch wahren.

Die Entwicklung wurde von den politischen Ereignissen überrollt. Mit dem Ende der Weimarer Republik und der Machtergreifung durch die NSDAP war das Schicksal des 'Deutschen Arbeiter-Schach-Bundes’ besiegelt. Er wurde aufgelöst. Auswirkungen auf den Spielbetrieb hatte dies erfreulicherweise nicht, wohl organisatorische Änderungen.

Beide Gruppen zögerten nicht lange. Schon am 4. April 1933 schlossen sie sich unter dem neuen Namen 'Godesberger Schachverein' zusammen. Achtzehn Schachfreunde trafen sich in der Gaststätte 'Tonhalle' in der Burgstraße. Den Vorsitz übernahm Amtmann Hermann Ufer. Einstimmig beschloss die Versammlung die Gründung eines neuen Vereins. Alle Anwesenden erklärten ihren Beitritt. 1. Vorsitzender wurde Hermann Ufer, Schriftführer und stellvertretender Vorsitzender Dr. Ackermann, Rechnungsführer Josef Gierlich, Schachwart Josef Ließ und Spielleiter Dr. Herbert Heinekamp.

Heinrich Kerzmann, Hans Saßnick und Dr. Erich Ackermann

Ausführlich hat Hermann Ufer in einem handgeschriebenen Beschlussbuch, das noch vorliegt, diesen Tag festgehalten. So wurde ein Satzungsausschuss bestimmt, bestehend aus den Herren Heinrich Kerzmann, Gustav Peter, Hans Saßnick und Hermann Ufer. Als Spieltag setzte man den Dienstagabend, beginnend um 20.00 Uhr, und als Spielraum das Sonderzimmer der 'Tonhalle', in der auch die Gründungsversammlung stattfand, fest. Der Wirt überließ den Raum gegen eine Miete von 1 Mark je Abend ohne Trinkzwang für die Mitglieder. Das war ganz offensichtlich damals auch schon wichtig.

In einer weiteren Mitgliederversammlung am 25. April 1933 billigten 21 anwesende Mitglieder die von diesem Ausschuss vorgelegte Satzung und legten unter anderem auch fest, dass der Beitrag 0,25 Mark betragen solle, und dass ein Eintrittsgeld von 2 Mark, zahlbar in vier monatlichen Teilbeträgen zu entrichten sei. Der Vorstand wurde ermächtigt, auch Zahlungsausstand zu gewähren oder von der Zahlungspflicht zu befreien, vor allem bei Hilfsbedürftigkeit. Außerdem zahlten die Mitglieder des früheren Arbeiter-Schachvereins kein Eintrittsgeld, weil sie erheblich mehr Vermögen in Form von Spielmaterial in den neuen Verein einbrachten. Gleichzeitig wurde die Gaststätte 'Tonhalle' zum Vereinslokal bestimmt.

Das handgeschriebene Protokollbuch über die Vorstandssitzungen lässt erkennen, wie sich der Verein rasch entwickelte, und wie zielbewusst Hermann Ufer ihn führte. Schon Ende 1933 waren 36 Mitglieder zu verzeichnen. Spielmaterial musste gekauft werden. Der Vorsitzende beschaffte, wie es in einer Niederschrift vom 20. Juni 1933 heißt, gedruckte Blätter für die Aufzeichnung der Spiele bei besonderen Gelegenheiten. Der erste Wettkampf des neuen Vereins fand am 11. Juni 1933 statt. Gegner war der SV Hennef 1927, der auch als Sieger hervorging, obwohl man sich auf Godesberger Seite gut vorbereitet hatte und auch stark fühlte.

Am 12. September 1933 wurde Gustav Peter, manchen Mitgliedern des GSK noch bekannt, in den Vorstand berufen. Er übernahm das Amt des zurückgetretenen Rechnungsführers. Josef Ließ und er wurden beauftragt, Kontakte zum Kölner Schachverband herzustellen, vor allem mit dem Ziel der Teilnahme des Klubs an Mannschaftskämpfen. Der Vorstand bewilligte ein Reisegeld von je 3 Mark für die beiden Unterhändler. Zu einer Aufnahme des Godesberger SK in den Verband kam es jedoch noch nicht. So ging das erste Jahr nach dem Zusammenschluss zu Ende.

Der Aufbau

Von 1933 bis 1937 war Hermann Ufer 1. Vorsitzender. Als er am 23. März 1937 aus Rücksicht auf Alter und Gesundheit, wie das Protokoll vermerkt, den Vorsitz niederlegte, blickte er auf vier Jahre einer nicht immer leichten Aufbauarbeit zurück. Da waren die schwierigen Fragen der Finanzierung des Beitritts zum Kölner Schachverband zu lösen. Da galt es, das große Interesse, das eine Vereinsgründung immer findet, auch zu stabilisieren, da mussten Wettkämpfe organisiert und Turniere ausgerichtet werden, denn alles war ja noch ein wenig Neuland, und den heute üblichen Turnierbetrieb kannte man noch nicht.

Ein herausragendes Ereignis war offensichtlich eine Simultan-Veranstaltung. So liest man im Beschlussbuch: ….

…….Namentlich das Gastspiel des Schachgroßmeisters Bogoljubow am 10. November 1934 in Godesberg, an dem sich über den Kreis des Vereins hinaus viele hiesige Schachfreunde, darunter auch Damen, beteiligten. Es war dies für Godesberg ein Schachereignis, und 30 Spieler nahmen an dem Simultanspiel teil, welches mit 25 Siegen für den Großmeister endete.

Auch zeigte sich bei Wettkämpfen mit auswärtigen Vereinen noch eine 'gewisse Schwäche' in der Spielstärke der Mitglieder, und der Vorstand beschloss ein generelles Training der schwächeren Spieler durch die stärkeren und eine Einteilung des Klubturniers in mehrere Klassen. Klubmeister Dr. Heinekamp, zweifellos der stärkste Spieler in dieser Zeit, erteilte dann auch Schach-Unterricht an Vereinsmitglieder.

Dr. Heinekamp (GSK-Spitzenspieler der Gründerzeit ΐ 1938)

Ein ganz wichtiges Datum für den Godesberger SK war rückschauend betrachtet, der 3. Januar 1935. Hans Saßnick übernahm das wichtige Amt des Turnierleiters. Wie sich später in der Klubgeschichte noch zeigen wird, eine Sternstunde des GSK.

Am 20. August 1935 beschloss der Vorstand, die Anschaffung von Schachuhren ins Auge zu fassen. Zunächst sollte die finanzielle Durchführbarkeit geprüft werden. Der Erwerb wurde notwendig, da man sich jetzt an Meisterschaftsspielen des Kölner Schachverbandes beteiligte. Auch richtete man erstmals ein Turnier um die Rheinland-Meisterschaft aus. Mehrfach wurde über die Bestellung von Exemplaren der 'Deutschen Schachblätter' im Vorstand beraten. Und oft war auch die säumige Zahlungsweise der Mitglieder Gegenstand von Überlegungen, wie diesem ‚Missstand’ begegnet werden könne.

In Meisterschaftskämpfen schlug man jetzt eine gute Klinge. Kampfstark war die erste Mannschaft mit Dr. Herbert Heinekamp, Gustav Peter, Reinhard Baum, Hans Saßnick, Josef Ließ und Franz Schlömer. Ehrenvolle Berufungen in die Auswahlmannschaften des Schachbezirks Rhein/Sieg und des Kölner Schach-Verbandes erhielten mehrfach der leider allzu früh im Alter von 32 Jahren verstorbene Dr. Heinekamp und sein Nachfolger am Spitzenbrett des Godesberger Schachvereins Gustav Peter.

Reinhard Baum
Franz Schlömer

Hans Saßnick – Seine erste Zeit

Hermann Ufer selbst schlug bei seinem Rücktritt am 23. März 1937 Hans Saßnick zum neuen Vorsitzenden vor, Einstimmig folgte die Versammlung dieser Empfehlung. Ein nahtloser Übergang war erreicht. Schriftführer und stellvertretender Vorsitzender blieb weiterhin Dr. Erich Ackermann. Die Position des Kassenwartes übernahm Heinrich Kerzmann, und neuer Spielleiter wurde Franz Schlömer. Ein Spielausschuss bestehend aus den Herren Gustav Peter und Willi Maubach assistierte ihm. Mit herzlichem Dank wurde Hermann Ufer verabschiedet und zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Der Kassenbericht, auch dies ist interessant, verzeichnete Einnahmen von 174,95 Mark und Ausgaben von 108,98 Mark sowie einen Bestand von 65,97 Mark.

Der neue Vorsitzende nahm das Steuer gleich fest in die Hand. Er war nicht nur ein guter Schachspieler, er vereinigte in sich auch alle jene Eigenschaften, die ein Vorsitzender haben muss, wenn er seinen Verein zum Erfolg führen will. Er war immer da, wo es galt, Schwierigkeiten zu meistern. Zuweilen wenn es die Lage erforderte, war er gleichzeitig Vorsitzender, Turnierleiter, Schriftführer und sogar Kassierer. Er hat mit seiner Dynamik das feste Fundament geschaffen, auf dem seine Nachfolger weiterbauen konnten. Dies schrieb 1979 Friedrich von Wilpert. Er hat wahrlich nicht übertrieben.

Bei seinem Amtsantritt hatte sich die Mitgliederzahl auf 35 eingependelt. Gleich in seinem ersten Jahr stieg sie dann auf 42, denn es gab trotz einiger Austritte 13 Zugänge. Aufgenommen wurde man damals erst nach sorgfältiger Prüfung und Anhören durch ein dreiköpfiges Gremium.

Auch verzeichnet das Beschlussbuch jetzt deutlich mehr Veranstaltungen. Es gab Wettkämpfe gegen den Bonner SK und gegen die Solinger SG. Vereinsmeister Dr. Heinekamp führte Demonstrationsabende in den Vororten Lannesdorf, Friesdorf, Rüngsdorf und Plittersdorf durch. Die schon immer beim GSK zu dieser Zeit beliebten Ausflugsfahrten fanden allseits Zuspruch. Auch liest man von Blitzturnieren. Meist siegte Franz Schlömer.

Der langjährige Spitzenspieler und Turnierleiter Dr. Heinekamp erlag 1938 einer tückischen Krankheit. Mehrere Mitglieder schieden wegen Wegzug oder Alter aus. Der Verein wechselte das Spiellokal, was sich nach den Ausführungen des Vorsitzenden als vorteilhaft erwies.

Wieder gab es einige Freundschaftskämpfe. Gegen Sinzig wurde der Hinkampf mit 7,5:0,5 und der Rückkampf mit 6:2 gewonnen. Dafür brachte das Spiel gegen Hennef, wie schon vor Jahren, eine herbe 1:7-Niederlage. Einen Kampf an 16 Brettern gegen den SV Königspringer Siegen gewann unser Klub mit 9:7, wobei vor allem die unteren Bretter überzeugten. Der Höhepunkt war ein Wettkampf gegen die Solinger SG, den vielfachen Bergischen Meister. Er ging knapp mit 9,5:11,5 verloren.

Die Geselligkeit wurde gepflegt, und zwar immer im Anschluss an die Freundschaftskämpfe und auch durch ‚schönen’ Ausflüge, wie im Berichtsbuch des Vorsitzenden nachzulesen ist.

Einem Fragment ist zu entnehmen, dass der Godesberger SK im Jahre 1939 die Meisterschaft in der höchsten Spielklasse errang. Beteiligt waren an diesem Erfolg die Spieler Kerzmann, Ließ, Maubach, Saßnick und Schieffer. Leider sind nicht alle Namen leserlich. Auch der Bericht des Vorsitzenden gibt keine restlose Auskunft. Den Titelgewinn hat er aber festgehalten und erwähnt, dass im Finale der Bonner SK mit 6:4, der SK Troisdorf mit 7:3 und SV Düren mit 8:2 geschlagen wurden. Außerdem gab es einen Freundschaftskampf gegen den SV Mülheim/Ruhr, den wir mit 10:3 gewannen. Sieger des Winter-Turniers wurde Franz Schlömer vor Gustav Peter, Josef Ließ und Hans Saßnick. Im Blitzturnier siegte Altmeister Heinrich Kerzmann. Auch ein Problem-Turnier wurde veranstaltet, was heute nur noch selten anzutreffen ist.

Der Einbruch

Der 2. Weltkrieg setzte allen turniersportlichen Aktivitäten Grenzen. Viele Spieler wurden zum Wehrdienst eingezogen, und mancher kehrte nicht zurück. Dennoch kam der Spielbetrieb nie ganz zum Erliegen. So fand ich einen Zeitungsausschnitt, der davon Kenntnis gab, dass der GSK mit seiner ersten Mannschaft den großen Lokalrivalen 'Verein Bonner Schachfreunde' (früher Bonner SK) sicher mit 5,5:2,5 bezwungen hatte. Damals spielten für uns die Schachfreunde Peter, Schlömer, Ließ, Winohr, Krönen-Neumann, Altmeister Kerzmann, Zauels und Köster.

Das erste Beschlussbuch des GSK macht aber deutlich, wie stark der Einschnitt war. Jahreshauptversammlungen fanden 1940, 1941 und 1942 überhaupt nicht statt. Hans Saßnick verfasste lediglich Berichte, die das Vereinsgeschehen festhalten. So lesen wir denn, dass der Ehrenvorsitzende Hermann Ufer am 20. Februar 1940 fern der Heimat verstorben ist, dass die Spielabende oft wegen mangelnder Beteiligung ausfielen, dass der Klub zunächst im 1. Stock und später im hinteren Gastzimmer des Restaurants 'Ratskeller' sein Spiellokal hatte, dass man sich gelegentlich samstags am Nachmittag im Restaurant 'Deutsches Haus' traf, und dass einige wenige versuchten, die Fahne des GSK hochzuhalten. Zu dieser Zeit betrug der Beitrag 10 Reichspfennig je Spielabend.

Am 2. Januar 1943 wurde erstmals wieder eine Versammlung abgehalten. 11 Mitglieder erschienen. Wiedergewählt wurden Hans Saßnick als Vorsitzender, Dr. Ackermann als Schriftwart, Heinrich Kerzmann als Kassenwart und Hans Küster als Schachwart.

Offensichtlich gab es zeitweise keinen eigenen Spielraum mehr, denn in der Niederschrift ist festgehalten, dass der anderweitig nicht mehr benutzte Saal gegen eine Miete von 3 Reichsmark je Abend wieder zur Verfügung gestellt wurde. Erstmals wird der Spielabend auf den Freitag gelegt. Der Beitrag beträgt jetzt monatlich 0,50 Reichsmark.

Der Klub führt auch eine Werbung in dreißig Betrieben durch und bietet über Plakate Lehrgänge für Anfänger an. Beide Maßnahmen erweisen sich leider als wirkungslos. Es gibt aber wieder ein Klubturnier, gewonnen in der A-Klasse von Franz Schlömer vor Josef Ließ und Hans Saßnick und in der B-Klasse von Josef Bungartz. Auch beteiligen sich noch 9 GSK-Spieler an einer Simultan-Veranstaltung in Bonn gegen Deutschland-Meister Paul Schmidt.

Am 26. September 1943 unterlag die erste Mannschaft des Godesberger SK mit 4,5:5,5 gegen die des Vereins Bonner Schachfreunde. Erstmals taucht hier als Sieger Adolf Bähne, ein späterer Vorsitzender unseres Klubs, auf. Die zweite Mannschaft spielte im übrigen 3:3.

Leider musste der GSK in diesem Jahre auch erfahren, wie schwierig es manchmal sein kann, wenn Schachklubs auf Wirte angewiesen sind. Hans Saßnick hält dazu selbst fest:…

'Das ungebührliche Verhalten unseres Vereinswirtes, der den von uns gemieteten Raum am 11. Januar 1943, einem Turnierabend, anderweitig für ein privates Zechgelage vergeben hatte und sich eine Kritik an dieser Maßnahme in der unhöflichsten Form verbat, zwang uns mitten im Jahre zu einem Lokalwechsel. Glücklicherweise fanden wir nach längerem Suchen eine geeignete Unterkunft im Frühstückszimmer des Hotels 'Kaiserhof. Leider konnten wir dort kein Schachgerät unterbringen. Es musste jeweils von seinem Aufbewahrungsort hei dem Mitglied Fräulein Hein abgeholt und wieder dorthin verbracht werden, wo auch der von dem Vorsitzenden gestiftete neue Rollschrank Aufstellung fand.

Recht ausführlich schildert Hans Saßnick dann rückblickend das 15. Stiftungsfest, das mit 60 Teilnehmern und Gästen ein großer Erfolg gewesen sein muss.

Bis zum Kriegsende gab es bei immer schwieriger werdender Situation nur noch einige Treffs im Hotel 'Kaiserhof'. Fortgesetzte Luftalarme, Verkehrsunterbrechungen, Stromsperren, Mangel an Heizmaterial und auch Hunger machten einen geregelten Spielbetrieb ebenso unmöglich wie die Tatsache, dass die meisten Mitglieder eingezogen oder gestorben waren. Dennoch hielt der GSK am 15. April 1944 eine Versammlung ab und am 18. Juni 1944 gab es noch einen Wettkampf, den der Verein Bonner SC für sich entschied.

Dem Bericht über die Hauptversammlung des letzten Kriegsjahres ist zu entnehmen, dass der Klub 40 Mitglieder hatte, davon waren 20 eingezogen. Der Kassenbestand betrug 264,20 Reichsmark, der Vorstand wurde bestätigt, und Hans Saßnick hält anschließend fest, dass die 'Fidelitas' besonders stimmungsvoll war, weil es Adolf Bähne gelang, einige Flaschen Wein zu 'organisieren', die er dann großzügig stiftete. So ging der Krieg zu Ende.

Der Wiederaufbau

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges normalisierte sich das Schachleben in Bad Godesberg überraschend schnell Bereits am 3. November 1945 trafen sich die Vorstandsmitglieder Saßnick, Kerzmann, Lindeck und Bungartz, um darüber zu beraten, wie die durch die Militärregierung genehmigte Wiederaufnahme des Spielbetriebes in die Praxis umgesetzt werden könne. Es wurde beschlossen, in Ladenlokalen Plakate auszuhängen und einen Monat Kino-Reklame zu mieten.

Die Schulverwaltung stellte als Spiellokal in der Burgschule, Hofeingang, einen Klassenraum zur Verfügung. Die Entschädigung für den Hausmeister betrug 3,- RM je Abend und eine monatliche Entschädigung von 5,- RM für Sonderleistungen.

Alle früheren und neu eintretenden Mitglieder mussten eine eidesstattliche Versicherung abgeben, die Auskunft über ihre politische Vergangenheit gab. Diese war der Militärregierung vorzulegen.

Nach dieser Vorbereitung fand am 7. November 1945 eine außerordentliche Mitgliederversammlung in der Burgschule statt. Es erschienen 35 Mitglieder und Gäste. Vorsitzender Hans Saßnick kann mitteilen, dass die Militärregierung am 26. Oktober 1945 den Spielbetrieb erlaubt hat. Besonders verdient gemacht haben sich nach seinen Ausführungen die Herren Josef Ließ und Karl Friesecke bei der Plakat-Verteilung, der Herrichtung des Versammlungsraumes und sonstiger Arbeiten.

Einstimmig beschließt die Versammlung die Änderung des Namens von 'Godesberger Schachverein' in 'Godesberger Schachklub'. Der Spielabend wird auf mittwochs gelegt. Fast das ganze Spielgerät ist durch Plünderung und Kriegsschäden verlorengegangen. Nur geringe Reste konnten geborgen werden. Die Mitglieder wurden gebeten eigene Bretter und Figuren mitzubringen.

Auch taucht die Idee auf, den Arbeiter-Schachverein wieder zu gründen. Dies bekämpft Hans Saßnick vehement, Josef Ließ, selbst früher engagiertes Mitglied in diesem Verein, fordert ebenfalls den weiteren treuen Zusammenhalt im Godesberger SK. Mitbegründer Gustav Peter hingegen nimmt eine eher abwartende Haltung ein.

Das Interesse am Schachspiel steigt rapide. Der Vorstand berät am 20. November 1945 über die Tatsache, dass der von der Schulverwaltung zur Verfügung gestellte Raum in der Burgschule bereits zu klein ist. Neue Gesichtspunkte und Möglichkeiten ergeben sich aber trotz Diskussion nicht.

Der Vorstand tagt nun fast permanent und immer in der Wohnung des Vorsitzenden Hans Saßnick. Es gelingt, Figurensätze zu erwerben und Bretter selbst herzustellen. Uhren und Notationsblätter sind Ende 1945 plötzlich wieder auf dem Markt. Am 23. November 1945 hält Hans Saßnick fest, dass die Mitgliederzahl bereits auf 59 angestiegen ist. Auch meldet sich eine Kölner Schachgemeinschaft und bittet um einen Vergleichskampf an 20 Brettern, davon möglichst 5 Jugendliche. Dieser Plan wird jedoch als verfrüht angesehen. Sogar ein Klubturnier wird in Aussicht gestellt.

Immer schwieriger wird die Raumfrage. Heinrich Kerzmann spricht mit Vertretern der Stadt und bringt mehrere Vorschläge ein. Dabei wird, aus heutiger Sicht interessant, noch ein deutlicher Vorbehalt sichtbar gegenüber Einrichtungen, die von Kirchen getragen werden. Zum Beispiel das Evangelische Gemeindehaus in der Kronprinzenallee.

Am 14. Dezember 1945 entwickelt der Vorstand unter Hans Saßnick ein regelrechtes Programm für das erste Nachkriegsjahr. Bereits am 9. Januar 1946 soll ein Anfänger-Lehrgang unter der Leitung von stud. jur. Manfred Schmiedel, unserem heutigen Ehrenmitglied, beginnen.

Manfred Schmiedel

Am 16. Januar 1946 ist der Start des Klubturniers vorgesehen, und eine Woche später plant man Vorträge für Fortgeschrittene. Dabei wird damit gerechnet, dass das Interesse groß ist, denn in Bonn hat es noch keine Wiedergründung eines Schachvereins gegeben.

Und der GSK schafft es, Die A-Klasse wird eingerichtet mit Adolf Bähne, Dr. F. Bordfeld, Josef Ließ, Hans Saßnick, Manfred Schmiedel, Heinrich Kerzmann, Gustav Peter, Franz Schlömer, um nur einige der manchen Mitgliedern heute noch bekannten Namen zu nennen. Für die Neuzugänge gibt es eine B- und eine C-Klasse.

Dr. Ferdinand Bordfeld

In einer unwahrscheinlich kurzen Zeit hat der dynamische Hans Saßnick den Godesberger SK 'wieder aus dem Boden gestampft’ wie es in einer späteren Dankrede heißt. Hier noch einmal aus seiner Feder eine Chronologie:

08.03.1945 Einmarsch der USA-Truppen in Bad Godesberg
07.08.1945 erstes Gesuch zur Genehmigung des Spielbetriebs bei der Militärregierung
20.09.1945 Zustimmung der Schulverwaltung zur Benutzung eines Raumes in der Burgschule
26.10.1945 Genehmigung der Militärregierung
07.11.1945 Außerordentliche Mitgliederversammlung mit Übertragung der Verantwortung auf H. Saßnick
09.01.1946 Offizielle Aufnahme des Turnierbetriebes

Die Mitgliederzahl steigt weiter und beträgt bald 62, wobei zusätzlich 13 Anmeldungen vorliegen, die von der Militärregierung noch geprüft werden müssen. Demgegenüber stehen lediglich 4 Abgänge.

Am 9. Januar 1946 wird die erste ordentliche Mitgliederversammlung des Godesberger SK nach dem 2. Weltkrieg abgehalten. 51 Mitglieder sind anwesend. Es werden die üblichen Standardpunkte der Tagesordnung abgewickelt, insbesondere eine vom Vorstand bereits ausgearbeitete Satzung beraten und mit einer kleinen Ergänzung auch angenommen.

Die erste Vorstandswahl bringt, wie erwartet, Hans Saßnick an die Spitze des Klubs. Schriftführer wird das langjährige Mitglied Bungartz, Rechnungsführer, wie schon früher, Heinrich Kerzmann. Karl Friesecke erhält den Posten des Gerätewartes, und Franz Schlömer übernimmt erneut die Funktion des Spielleiters. Ihm zur Seite stehen in einem Spielausschuss die Mitglieder Ließ und Borries.

Am 4. März 1946 tritt der Vorstand erneut zusammen. Mittlerweile ist der Mitgliederbestand auf 82 angestiegen. Außerdem liegen weitere 23 'Gesuche' vor. Zwischenzeitlich hat das Klubturnier begonnen und ist in drei Spielklassen hervorragend angenommen worden.

Einstimmig beschließt der Vorstand, nachdem Hans Saßnick Gespräche mit Vertretern des Kölner Schach-Verbandes geführt hat, den Beitritt des GSK. Sehr interessant fand ich den Hinweis, dass sich Gäste vernachlässigt fühlen, weil sich während der Partien niemand um sie kümmert und Vorstandsmitglieder auch nicht überall sein können. Wie wahr noch nach 60 Jahren.

Die Phase des Wiederaufbaus betrachte ich selbst, nachdem ich alle vorhandenen Aufzeichnungen gelesen habe, mit der außerordentliche Mitgliederversammlung am Samstag, dem 15. Juni 1946, in der Burgschule als abgeschlossen. Hans Saßnick berichtet, dass das erste Strohfeuer des Interesses, wie erwartet, nun erloschen sei und freut sich darüber, dass 66 zahlende Mitglieder als eine echte Grundlage des Vereins bei positiver Entwicklung angesehen werden können. Dr. Erich Ackermann wird in Würdigung seiner Persönlichkeit und der Verdienste um den Verein einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Heinrich Kerzmann erhält einen farbigen Holzschnitt des Godesberger Künstlers Voorthuysen geschenkt, ebenso der Sieger des ersten Klubturniers Dr. Ferdinand Bordfeld. Die beiden B-Gruppen wurden von den Mitgliedern Wondraschek und Werner gewonnen, und die C-Klasse sah Hans Bauer als Sieger. Als Prämie erhielten sie ein Büchlein 'Schach ist schön'.

Alsdann entwickelte der Vorsitzende ein Sommerprogramm, das nach seinen eigenen Ausführungen alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Hin- und Rückspiele mit Vereinen in Bonn, Brühl, Köln und Siegburg waren ebenso geplant wie eine Simultan-Veranstaltung des Deutschland-Meisters Kieninger am 8. Juli 1946. Dazu sollte es ein Blitzturnier geben und die Verbandsmeisterschaft erstmals in Bad Godesberg vom 3. bis 11. August 1946 ausgetragen werden. Ein Lösungsturnier nahm sechs Abende in Anspruch, und für den Oktober war der Beginn des nächsten Klubturniers vorgesehen.

Man bedenke, das alles geschah in der Zeit des großen Mangels weit vor der Währungsreform. Aber damit nicht genug: Die Versammlung beschloss einen zweiten Spieltag am Samstag einzurichten, allerdings gegen einen zusätzlichen Kostenbeitrag je Teilnahme von 0,30 RM.

Dann bittet der Vorsitzende die Mitglieder, Schach-Notizen aus der Presse auszuschneiden und ihm zu überlassen sowie Fotos aus der Vergangenheit zu sammeln und einzureichen.

Die Nachkriegsphase

Einen großen Bericht über die schachsportlichen Ereignisse des Jahres 1946 konnte Hans Saßnick am 8. Januar 1947 den 40 Mitgliedern, die zur ordentlichen Mitgliederversammlung erschienen waren, erstatten. Im einzelnen führte er aus:

Am 8. Juli 1946 spielte der Deutschland-Meister Kieninger simultan im Rathaus-Saal der Stadt Bad Godesberg. Er verbuchte 31 Siege, 2 Unentschieden und 4 Niederlagen. Erfolgreich waren Dreesbach (Verein Bonner Schachfreunde), Althoff (Königswinter) sowie Reinhard Baum und Gustav Peter (Godesberger SK). Eutinger (Bonn) und Manfred Schmiedel (Godesberger SK) erkämpften ein Unentschieden.

Glanzpunkt des Jahres war das Meisterturnier des Kölner Schach-Verbandes. Es wurde vom 4. bis 11. August im Rathaus-Saal der Stadtverwaltung ausgetragen. Diese stellte 10 Ehrenpreise. Alle Teilnehmer waren Gäste in der Redoute aus Anlass einer musikalischen Feststunde und erhielten Freikarten für ein Lustspiel. Es siegte Georg Kieninger. Gustav Peter konnte sensationell gegen ihn gewinnen.

In einem Vergleichskampf Köln gegen Düsseldorf siegten Gustav Peter an Brett 32 und Franz Schlömer an Brett 45.

Zahlreiche Kämpfe mit unterschiedlichem Ausgang fanden statt. Sie sollen ausnahmsweise einmal wegen der besonderen Bedeutung des Wiederaufbaus aufgelistet werden:

Der Kölner Schach-Verein besiegt den GSK mit 13,5:6,5. Der Schach-Verein Brühl unterliegt ihm mit 4:5 Punkten. Die Schachfreunde Bonn werden mit 14:12 geschlagen. Im Rahmen eines Meisterturniers des Kölner Schach-Verbandes verliert der SV Köln-Nippes im Rathaus-Saal mit 14:10. Mit dem gleichen Ergebnis gewinnen die Bonner Schachfreunde im Café Richarz. Der Schach-Verein Honnef unterliegt dem GSK mit 2:6, die Schachfreunde Bonn gewinnen mit 4,5:3,5 erneut und unterliegen dann aber mit 2:6.

Gefahr drohte dem harmonischen Aufbau eigentlich nur, als der amtierende Vorstand den Entschluss fasste, geschlossen zurückzutreten und Platz für die jüngere Generation zu machen. Diese Absicht schlug aber fehl und Hans Saßnick blieb im Amt, zum Wohle des GSK, wie man noch lesen wird.

Ich glaube, hier ist eine gute Gelegenheit, einmal seine Frau Paula zu erwähnen, Auch sie wirkte unermüdlich für den Godesberger SK und half vor allem dann immer aus, wenn es im Klubgefüge Probleme gab. Zum Erfolg Ihres Mannes und damit zur positiven Entwicklung des GSK hat sie ganz sicher erheblich beigetragen.

Immer schwieriger wurden die Spielverhältnisse in der Burgschule. Nach langem Suchen fand der Vorstand in der Gaststätte 'Maternus' in der Poststraße, heute Löbestraße, eine neue Bleibe. Am 8. Mai 1947 wurde das neue Spiellokal mit einem Blitzturnier eingeweiht. Man spielte mittwochs von 19.00 bis 22.00 Uhr und freitags von 19.00 bis 23.00 Uhr. Die monatliche Miete betrug 30,- RM.

Wieder taucht ein neuer Name auf. Hans Saßnick hält fest, dass nach langer Diskussion eine Turnierordnung verabschiedet wurde, und dass ihr Verfasser Freimut Remus anstelle eines dreiköpfigen Spielausschusses allein zuständiger Spielleiter wurde. Erneut eine Sternstunde für den GSK.

Freimut Remus

Auch liest man jetzt die Namen neuer Spieler, die sich in den Klubturnieren und Mannschaftskämpfen auszeichnen. Beispielhaft nenne ich Johann Arndt und Wilhelm Pilhatsch.

Am 9. Januar 1948 legte die Jahresversammlung nach ausgedehnter Debatte mit 25 Ja-Stimmen bei 13 Enthaltungen fest, dass künftig anstelle des 4. März 1933 der 1. August 1929 als Gründungstag des Godesberger SK gelten solle. Dabei orientiert man sich an den Grundlagen des Arbeiter-Schachvereins.

In den Mannschaftskämpfen belegt der GSK auf Verbandsebene einen ausgezeichneten 2. Platz ganz knapp hinter dem Meister Kölner SK. In der alles entscheidenden Begegnung unterlagen wir ein wenig unglücklich mit 3,5:4,5. Alle übrigen Kämpfe wurden gewonnen.

Die erstmals ausgerichtete Mannschafts-Meisterschaft des neuen Schachkreises Rhein/Sieg endete mit einem klaren 5,5:2,5 im Stichkampf gegen den SK Troisdorf.

Das Jahr der Währungsreform war gezeichnet von den Einschnitten, die diese Neuordnung brachte. Wichtigstes Ereignis im GSK war jedoch der erneute Wechsel des Spiellokals. Als nachteilig an der Gaststätte 'Maternus' wurde der starke Gästeverkehr angesehen, da es keinen abgeschlossenen zweiten Raum gab.

Die mit der Stadt geführten Verhandlungen ergaben zwar die Bereitschaft der Verwaltung, einen Saal im Alten Rathaus zur Verfügung zu stellen, jedoch waren die Kosten für den Verein zu hoch. Es wurden gefordert 20,– DM für Miete, 10,– DM für Reinigung und 10,– DM für Heizung, Außerdem eine Umlage von 2,– DM monatlich für Wasser und Gas. Verhandlungen mit der Gaststätte 'Ännchen', die auch über einen separaten Saal verfügte, schlugen fehl.

Noch langem Suchen fand der Vorstand eine Lösung, die dann viele Jahre Bestand hatte: Das traditionelle Café 'Agner', Ecke Moltkestraße/Bahnhofstraße, mit seinem für die damaligen Verhältnisse des GSK hervorragend geeigneten Raum im 1. Obergeschoss, der ansonsten dem Cafe-Betrieb nur dann diente, wenn alle Plätze im Erdgeschoss besetzt waren. Hier spielten wir nun mittwochs von 19.00 bis 23.00 Uhr, mussten aber zumindest zunächst die Mannschaftskämpfe in der Gaststätte 'Schaumburger Hof im Ortsteil Plittersdorf austragen.

Erstmals wird Adolf Bähne erwähnt und ihm für seine Hilfe gedankt. Durch Lieferung von Elektroleitungen und -zubehör über seine Firma war es überhaupt erst möglich, die neue Spielstätte so herzurichten, dass sie uns vermietet werden konnte.

Ich habe diese Zeit des Aufbaus ein wenig ausführlicher dargestellt, weil doch vieles bereits in Vergessenheit geraten ist, und weil man beim Lesen der Aufzeichnungen des damaligen Vorsitzenden Hans Saßnick immer wieder spürt, dass diese Zeit mit ihrem vielleicht nie mehr erreichten Zusammenhalt der Mitglieder ganz entscheidend für die weitere Entwicklung des Godesberger SK in den späteren Jahrzehnten gewesen ist. Ich habe sie selbst in der Endphase miterlebt und empfinde es auch so.

Im Rahmen einer solchen Chronik ist es aber nicht möglich, die Entwicklung des Vereins detailliert über Jahrzehnte nachzuzeichnen. Das sprengt den Rahmen dieses Jubiläumsheftes. Es ist aber auch nicht notwendig, denn viele Bilder gleichen sich, und so reicht es aus, Schwerpunkte aufzuzeigen, die auch für spätere Generationen bedeutsam sein können. Dies will ich in den folgenden Kapiteln tun, die ich den jeweiligen Vorsitzenden zugeordnet habe.

Weiter mit Hans Saßnick

Unter seiner Führung gewann der Godesberger SK in den ersten Nachkriegsjahren immer mehr an Bedeutung, Die Mitgliederzahl lag bei leicht steigender Tendenz stets über 70. Damit war der Klub nicht nur der größte Verein im Schachkreis Bonn/Rhein/Sieg, sondern auch im Kölner Schach-Verband, der dann später Schachverband Mittelrhein hieß.

Die 1948 gegründete Bundesliga, später Oberliga und jetzt Regionalliga Mittelrhein, sollte uns überraschend in ihrem Gründungsjahr verschlossen bleiben. Der Region Bonn wurde nur ein Platz zugebilligt, und den nahm, wie selbstverständlich, der schon 1905 gegründete Traditionsverein Verein Bonner Schachfreunde für sich in Anspruch. Aber wir wehrten uns und dank einer hervorragenden Begründung des Vorsitzenden beschloss die Verbands-Versammlung mit überwältigender Mehrheit gegen den heftigen Widerstand des Bonner Vorsitzenden Dreesbach die Aufnahme des GSK. Dass sie gerechtfertigt war, zeigen die Ergebnisse der nächsten Jahre.

Die erste Mannschaft des Godesberger SK wurde 1948, 1949 und 1950 meist knapp hinter dem Kölner Abonnements-Meister SK Köln-Süd Zweiter und ließ damit jeweils den Verein Bonner Schachfreunde hinter sich, Im Jahre 1951 holte sie sogar mit großem Vorsprung die Verbandsmeisterschaft und besiegte im Rheinland-Finale auch den SK Trier-Süd mit 5:3. Von der langen Reise ermüdet, Geld für einen großzügigen Aufenthalt am Spielort Hannover war nicht vorhanden, unterlag die Mannschaft dann in der Zwischenrunde zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft gegen Hamburg mit 1:7 und gegen Hannover mit 2,5:5,5. Gegen Wuppertal konnte sie aber ein achtbares 4:4 erringen. Auch 1952 erzielte sie wieder den 2. Platz am Mittelrhein.

In der Klubmeisterschaft war es zunächst die große Zeit von Manfred Schmiedel. Er siegte 1948, 1949 und 1950. Abgelöst wurde er dann von Jobst Hinne, der aus Berlin zum GSK stieß. Auch Freimut Remus ist immer weit vorne in der Tabelle der Meisterklasse zu finden. Neu taucht hier der Name des talentierten Nachwuchsspielers Servatius Knebel auf, dem sogar erlaubt wurde, eine Spielklasse zu überspringen. So war er dann auch 1951 vor Remus und hinter Hinne Vizemeister und holte sich vor beiden die Blitzmeisterschaft dieses Jahres. 1952 war der Einlauf ähnlich. Es siegte erneut Jobst Hinne vor Freimut Remus und Servatius Knebel.

Auch im Schachbezirk Rhein-Sieg und im Kölner Schach-Verband mochte man auf die Fähigkeiten von Hans Saßnick nicht verzichten. Er war zunächst 2. Vorsitzender in beiden Bereichen und übernahm dann später die Führungsrolle. Auch Freimut Remus beschränkte seine Tätigkeit nicht auf den GSK, er war zugleich auch Spielleiter des Schachbezirks.

Die bewährte Mannschaft Saßnick, Remus, Bungartz und Dr. Quast lernte aber nicht nur die angenehmen Seiten der Vorstandsarbeit kennen. Schachspieler sind Individualisten. Das galt gestern genauso wie heute. So gab es viele Probleme und auch schon einmal Rücktritts-Ankündigungen. Aber immer wieder gelang es dann besonnenen Kräften, hier nenne ich vor allem Adolf Bähne, die Wogen zu glätten und den Vorstand zur Weiterarbeit zu bewegen.

Ein großes Ereignis für den GSK war die erneute Ausrichtung der Mittelrhein-Meisterschaft und des Verbands-Kongresses vom 8. bis 16. Juni 1950 in Bad Godesberg. Wieder ging mit Jobst Hinne ein GSK-Spieler an den Start, der sich mit einem dritten Platz auch achtbar schlug. Er trat damit in die Fußstapfen von Gustav Peter, der im Sommer 1946 bei dem wohl größten Erfolg in seiner Laufbahn den mehrfachen Deutschen Meister Georg Kieninger besiegte.

Diese Zeit ist gekennzeichnet durch die Geselligkeit, die den Godesberger SK auszeichnete. Es waren nicht nur die mit Freundschaftskämpfen verbundenen Reisen, zum Beispiel nach Solingen und nach Mülheim/Ruhr. Man verstand auch – besser als heute – Feste zu feiern, nicht nur die offiziellen Jubiläen aus Anlass des 20. und 25. Gründungstages, sondern auch echten rheinischen Karneval mit dem Auftritt eigener Kräfte. Zeugnis legen die zahlreichen Bilder und Berichte, die sich im GSK-Archiv befinden, ab.

Lebendes Schach

Eine besondere Attraktion bot der Godesberger Schachklub in Verbindung mit dem Pädagogium Otto-Kühne-Schule am 21. Oktober 1951. Gemeinsam wurde ein »Lebendes Schach« aufgeführt. Hunderte von Zuschauern säumten den alten PädaPlatz, auf dem die Schüler in prachtvollen Kostümen eine Meisterpartie aus dem Frühjahr 1951 darstellten, damals gespielt von dem Schweizer Henry Grob und der Französischen Meisterin Chantal Chaude de Silans. Die Leitung lag in den Händen von Dr. Curt Loewe, der später einmal GSK-Vorsitzender werden sollte. Es moderierte Freimut Remus.

Alles geht einmal zu Ende. Zunächst beendete Freimut Remus aus privaten Gründen sein Engagement. Er blieb dem Klub aber weiterhin verbunden. Kurze Zeit später musste Hans Saßnick aus gesundheitlichen Gründen nach mehr als zwanzigjährigem erfolgreichen Wirken im Vorstand die Vereinsführung abgeben. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt und stand auch hier 'seinem' GSK bis zum Tode im Jahre 1961 stets mit Rat und Tat zur Seite.

Ein Jahrzehnt mit Adolf Bähne

Kein leichtes Erbe trat er an, der ruhig und gelassen auftretende Elektro-Kaufmann aus der Bonner Münsterstraße, Alles war wohlgeordnet, aber über allem schwebte auch der große Schatten seines Vorgängers. Dazu machte sich, wie befürchtet, das Fehlen von Freimut Remus in der Organisation der Mannschaftskämpfe und der Klubturniere sehr deutlich bemerkbar. Der gute Wille derjenigen Klubmitglieder, die sich letztlich zur Übernahme des schwierigen Amtes eines Spiel- oder wie es heute heißt, Turnierleiters, bereit fanden, reichte allein nicht aus.

Bei nüchterner Analyse muss man allerdings rückschauend sagen, dass der Godesberger SK wahrscheinlich Mitte der fünfziger Jahre den Höhepunkt seiner Spielstärke nicht nur erreicht, sondern bereits deutlich überschritten hatte. Dafür gab es mehrere Gründe: Generationen-Wechsel, zu wenig qualifizierter Nachwuchs, Abwanderung starker Spieler, Aufholen der Konkurrenz und auch Verlagerung der Interessen angesichts des wirtschaftlichen und beruflichen Aufschwungs und des immer größer werdenden Freizeitangebotes.

So liest man denn in der Niederschrift über die Hauptversammlung des GSK im Jahre 1956 die beredte Klage über den Rückfall aller GSK-Mannschaften und registriert eine bis dahin nie gekannte Freude über den soeben noch geschafften Klassenerhalt.

In diesem Jahr taucht der Name Günter Poell – sieht man einmal von einer ganz gelegentlichen Erwähnung im Zusammenhang mit Turnier-Erfolgen ab – zum ersten Male offiziell auf. Mir wird die Jugendbetreuung übertragen, und als Mitglied des Turnier-Ausschusses erkläre ich mich bereit, dem beruflich und gesundheitlich überlasteten Turnierleiter Kirchbach bei seiner Arbeit zu helfen.

Im GSK-Buch wird endgültig ein neues Kapitel begonnen. Adolf Bähne, keineswegs nur ein 'Ersatzspieler' für Hans Saßnick, stellt die Weichen in die von ihm gewünschte Richtung und sucht sich Mitarbeiter, die seine Ideen und Überlegungen in die praktische Arbeit umsetzen. Dies gelingt auch, sicher anders als früher, aber keinesfalls zum Schaden des GSK.

Zunächst musste das Erreichte bewahrt werden. Finanzielle Probleme durch schleppende Beitragszahlung und Rückgang der Mitgliederzahlen ließen sich abwenden, Die erste Mannschaft verteidigte den Klassenerhalt in der Oberliga (heute Regionalliga genannt) , wenngleich auf Kosten der zweiten, die allerdings zwei Jahre später wieder in die Verbandsliga zurückkehrte.

Zwischenzeitlich hatte ich stillschweigend immer mehr Aufgaben des noch amtierenden Turnierleiters Kirchbach übernommen und übte ab 1959 in Personalunion auch das Amt des Schriftführers aus. An meine Stelle trat als Jugendwart Heinz-Josef Ullrich, unterstützt von Horst Geuer. Dieses Duo war ein wahrer Glücksgriff für den GSK.

Langsam ging es wieder aufwärts und Adolf Bähne erlebte auch die Sonnenseite seines Amtes. Als guter Kaufmann verstand er es, den Erfolg zu mehren und die Gunst der Stunde zu nutzen.

Die Jugendarbeit zeigte erhebliche Fortschritte. Jeweils mittwochs von 15.00 bis 18.00 Uhr trafen sich viele Interessenten im städtischen Jugendheim an der Marx-Franzstraße und ließen sich in die Geheimnisse des Königlichen Spiels einweihen.

Von einer Krise der ersten Mannschaft konnte keine Rede mehr sein. Sie belegte einen guten Mittelplatz in der Oberliga. Auch der erneute Abstieg der zweiten Mannschaft war nur von kurzer Dauer, denn ein Jahr später gehörte sie der Verbandsliga schon wieder an.
Die Klubmeisterschaft wurde in dieser Zeit von Jobst Hinne, der aus Berlin zugezogen war, beherrscht. Er gewann sie in den Jahren 1952 und 1953, nahm dann drei Jahre nicht teil und holte sich in den Jahren 1957, 58 und 59 erneut den Titel. Während seiner Abwesenheit hießen die Sieger Johann Arndt, Otto Kern und Dr. Ferdinand Bordfeld. Auch sein größter Erfolg fällt in diese Zeit, als er 1958 Deutscher Pokalmeister wurde und den 'Silbernen Turm holte.

Recht ereignisreich war das Jahr 1961.

Hans Saßnick erlag seinem tückischen Leiden. Der große alte Mann, der über zwanzig Jahre die Geschicke des GSK leitete, vollendete seinen Lebenskreis. In den letzten Wochen und Monaten seines Leidens wurde es ohnehin still um ihn.

Das Leben aber ging weiter. Gerüchten zufolge plante der Eigentümer des Cafés 'Agner' einen Umbau, der für uns den Verlust des Spiellokals bedeutete. Wir wurden zwar vertröstet, dann aber im Herbst 1961 kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt. Binnen weniger Tage mussten wir aus- und umziehen und fanden Unterschlupf in der Gaststätte 'Ännchen'. Hier aber waren die Spielbedingungen nicht günstig und auf Dauer war ein Rückgang zu befürchten, So zogen denn Adolf Bähne und seine Mitstreiter wieder durch die Stadt und wurden nach vielen vergeblichen Vorsprachen mit teilweise sogar drastischen Absagen (Schachspieler ? Was verzehren die denn ??) endlich in der Gaststätte 'Rheinischer Hof' bei Mutter Claes fündig. Wieder eine Sternstunde in der Geschichte des GSK.

Unbeeindruckt von den Sorgen des Vorstandes brach turniersportlich ein großes Jahr für den GSK an. Ungeschlagen beendete die erste Mannschaft die Saison und belegte hinter dem Mittelrhein-Meister ESV Turm Köln, der sogar 5:3 bezwungen wurde, einen hervorragenden zweiten Tabellenplatz. Die zweite Vertretung stieg ohne Niederlage aus dem Schachkreis wieder zur Verbandsliga auf, und die dritte Mannschaft belegte auf Kreisebene einen guten Mittelplatz.

Erstmals beteiligte sich der Godesberger SK an der Pokalmeisterschaft des Schachverbandes Mittelrhein für Vierer-Mannschaften. Auf Anhieb holte er sich durch Siege über den Verein Bonner Schachfreunde, den SK Koblenz, den SV Opladen und den SK 1861 Köln die Meisterschaft, Beim Bundes-Pokal-Turnier in Bad Meinberg gab es dann einen schönen Mittelplatz unter den Vertretern der Deutschen Schachverbände, die zum Teil keine Vereins-, sondern Auswahl-Mannschaften entsandt hatten.

Jobst Hinne holte sich erneut den Titel in der Pokalmeisterschaft des Schachverbandes und erreichte auf Bundesebene das Viertelfinale. Außerdem gewann er die Klubmeisterschaft nach Stichkampf gegen Servatius Knebel und den Titel in den beiden Stadtmeisterschaften von Bonn und dem damals noch selbständigen Bad Godesberg.

Die Jugendgruppe entwickelte sich unter Heinz-Josef Ullrich und Horst Geuer weiterhin positiv. Nach vielen Jahren stellte der GSK mit Wolfgang Kickbusch jun. wieder einen Jugend-Kreismeister.

Bei der Vorstandswahl zu Beginn des Jahres 1961 gab es personell keine Änderungen. Rudolf Kirchbach und ich tauschten lediglich die Ämter. Er wurde Schriftführer und ich Turnierleiter. Das Engagement nicht unbedingt Verzicht auf eigene spielerische Erfolge bedeutet, erlebte ich in diesem Jahr, denn mir gelang zum ersten und leider auch zum letzten Mal der Aufstieg in die Meisterklasse an der, anders als später und heute, die erste Mannschaft stets vollständig teilnahm.

Unaufhaltsam strebte der Klub im Jahre 1962 einem weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte zu. Daran waren das kluge Management von Adolf Bähne und die guten Spielverhältnisse im 'Rheinischen Hof' maßgeblich beteiligt.

Jobst Hinne, Horst Geuer und Dr. Müller Using (im Hintergrund)

Mit dem ausgezeichneten Ergebnis von 17:1 Punkten sicherte sich die erste Mannschaft zum zweiten Mal in der Klubgeschichte die Verbandsmeisterschaft. Gleichzeitig verteidigte sie die im Vorjahr errungene Pokalmeisterschaft im SVM. Erneut hatte sie allerdings in der Zwischenrunde, die in Bad Godesberg im Hotel 'Kaiserhof ausgetragen wurde, nicht den besten Tag erwischt. Wie im Jahre 1951 unterlag sie sowohl gegen die Düsseldorfer SG als auch gegen den SK Bremen-Ost. Immerhin konnte sie aber gegen den renommierten SK 'König Springer' Frankfurt ein verdientes 4:4 erringen.

Erstmals noch vielen Jahren war die zweite Mannschaft in der Verbandsliga mit Rang 4 ungefährdet, und in einem spannenden Duell mit dem SK Königswinter sicherte sich unsere dritte Vertretung als Kreismeister den Aufstieg zu dieser Klasse.

In der Klubmeisterschaft eroberte Jobst Hinne erneut den Titel vor Servatius Knebel. In der Stadtmeisterschaft von Bad Godesberg war der Einlauf aber genau umgekehrt.

Veränderungen gab es auch im Vorstand. Adolf Bähne leitete, damals noch unbemerkt, seinen Rücktritt ein. Auf seinen Vorschlag wurde der Vorstand teils neu besetzt, teils ergänzt. Paul Leyendeckers berief er in das neu geschaffene Amt eines 2. Vorsitzenden. Für den aus gesundheitlichen Gründen ausscheidenden Schriftführer Rudolf Kirchbach rückte Studiendirektor Dr. Curt Loewe nach, und das Amt des Rechnungsführers übernahm Servatius Knebel. Der Chronist blieb Turnierleiter. Die übrigen Mitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt.

War das 30-jährige Bestehen des Klubs aus finanziellen und sonstigen Gründen nahezu unbemerkt geblieben, so feierte der Klub den 35. Gründungstag mit einer Sportwoche. Der gesellige Teil bestand, sicher anders als früher, lediglich aus einem gemeinsamen Abendessen bei 'Mutter Claes'. Sportlich aber wurde einiges geboten. Am 18. November 1964 spielten wir gegen den Deutschen Vize-Mannschaftsmeister, die Schachgesellschaft Porz, an 16 Brettern. Zwei Tage später gab es ein großes Jubiläums-Blitzturnier mit 5-Sekunden-Ansage. Eine Woche darauf spielte Servatius Knebel, Stadtmeister 1963, an maximal 20 Brettern simultan, und unser Mitglied Gerd Schneider trat gegen fünf (!) Mitglieder aus der B-Klasse im Blindschach an.

Bei der Jubiläumsfeier ehrte Adolf Bähne die beiden Gründer Gustav Peter und Josef Ließ, die am 1. August 1929 den Grundstein für den Arbeiter-Schachverein Godesberg gelegt hatten.

Damit ging auch gleichzeitig noch zehn Jahren die 'Ära Bähne' zu Ende. Aus gesundheitlichen Gründen bat er, von einer Wiederwahl abzusehen. Einstimmig wählte ihn die Versammlung zum Ehrenvorsitzenden.

Die Zeit mit 'Leo' – Sechs Jahre mit Dr. Curt Loewe

Seine Schüler nannten ihn liebevoll oder despektierlich nur 'Leo'. Die Rede ist von Dr. Curt Loewe, Studiendirektor des Pädogogiums Otto-Kühne-Schule Bad Godesberg. Er wurde am 4. Dezember 1964 einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Godesberger SK gewählt. Gestützt auf die bewährte Mannschaft, die ihm Adolf Bähne hinterlassen hatte, nahm nun er, durch verschiedene Vorstandsämter bereits gut vorbereitet, das Ruder des GSK-Schiffes in die Hand.

Dr. Curt Loewe

Da ich selbst von 1968 bis 1971 berufsbedingt (Übernahme eines neuen Amtes im Zuge der Raumordnung) nicht dem Vorstand angehörte und mir auch nicht mehr alle Niederschriften zugänglich waren, beschränke ich mich auf die Wiedergabe der Beschreibung, die der damalige Schriftführer Friedrich von Wilpert als Journalist seinerzeit gegeben hat:

… Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet durch eine langsame aber stetige Vergrößerung der Mitgliederzahl ohne besondere Höhepunkte im Turnierbereich. Die erste Mannschaft spielte weiterhin mit wechselndem Erfolg in der Oberliga, unverkennbar im Schatten der SG Porz, die infolge einer Konzentration der Spitzenkräfte im Kölner Schachraum von Erfolg zu Erfolg eilte. Den anderen Mannschaften des Godesberger Schachklubs kann man bescheinigen, dass auch sie den Klub meist recht gut vertreten haben. War eine Niederlage oder gar ein Abstieg nicht zu vermeiden, dann ließen Siege und Aufstieg meist nicht lange auf sich warten.

Aus meiner Erinnerung ist noch nachzutragen, dass alle Mannschaften des Godesberger SK geschwächt wurden, als 1968 drei Spieler der ersten Mannschaft zum Bonner SK wechselten. Auch soll für spätere Zeiten festgehalten werden, dass die Herren Eckart Koch und Gerhard Barning nach dem Ausscheiden von Servatius Knebel und mir in die Bresche sprangen und gute Arbeit als Turnierleiter und Rechnungsführer leisteten.

Einen hohen Stand hatte auch in dieser ein wenig schwierigen Zeit das Jugendschach im GSK. Heinz-Josef Ullrich schuf eine Jugendgruppe im 'Haus der Offenen Tür' und baute sie zu einem regelrechten Stützpunkt des GSK aus. Manche Erfolge der nächsten Jahre haben hier Ihren Ursprung.

Drei ruhige Jahre mit Paul Leyendeckers

Als Dr. Loewe Ende 1969 plötzlich erkrankte und aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste, übernahm zunächst kommissarisch der 2. Vorsitzende Paul Leyendeckers die Vereinsführung. Am 6. Februar 1970 wählte ihn dann die Mitgliederversammlung zum 1. Vorsitzenden und Dr. Erwin Perkuhn zu seinem Stellvertreter. Rechnungsführer wurde Rainer Clemens, und Gerhard Barning übernahm das Amt des Turnierleiters. Jugendwart war weiterhin Heinz-Josef Ullrich, und Ursula Wulfken kümmerte sich unverändert um das Spielmaterial, während Klaus Behrenbruch das Amt des Schriftführers erhielt.

Der Verein zählte damals 67 stimmberechtigte Mitglieder, hatte sich also durchaus positiv entwickelt, obwohl Mannschaftserfolge ausblieben. Ein Jahr später lesen wir, dass sich bei der ersten und der zweiten Mannschaft eigentlich nichts geändert hat. Beide belegten einen guten Mittelplatz. Ganz erfreulich aus der Sicht des GSK war jedoch das Abschneiden einer Jugendvertretung, die in der Kreisklasse bei den Senioren ungeschlagen Meister wurde und zur Bezirksklasse aufstieg. Die Arbeit von Heinz-Josef Ullrich und Horst Geuer begann sich auszuzahlen.

Als am 22. Dezember 1972 Paul Leyendeckers der Versammlung erklärte, er werde in Zukunft viele Monate des Jahres nicht mehr in Bad Godesberg sein, gehörte ich dem Vorstand als Turnierleiter bereits wieder an. An der Größe des Klubs und seiner turniersportlichen Bedeutung hatte sich in den letzten Jahren wenig geändert. Es war eine Zeit der Stagnation, und nur die Erfolge der Jugendarbeit ließen hoffen.

Die Mitglieder wählten Dr. Josef Herzog zum neuen Vorsitzenden. Dr. Erwin Perkuhn blieb sein Vertreter, die Turnierleitung lag in meinen Händen, den Jugendaufgaben widmete sich weiterhin Heinz-Josef Ullrich, Reinhard Baum blieb Schriftführer, und um das Spielmaterial kümmerte sich Ursula Wulfken ein weiteres Jahr. Für den überraschend verstorbenen Rechnungsführer Bernd Friedrichs rückte Hans Peter Forsbach in den Vorstand. Es war die einzige neben der Wahl des Vorsitzenden bedeutsame, auch weitreichende Entscheidung einer relativ kurzen Jahresversammlung. An deren Beginn wurden die Mitglieder Alwin, Arndt, Baum, Dr. Bordfeld, Knebel, Poell, Rosendahl, Schmiedel und Ullrich für langjährige Mitgliedschaft geehrt. Mit Trauer nahm man die Nachricht vom Tode des langjährigen Vorsitzenden Adolf Bähne auf.

 

Die Zeit mit Dr. Herzog – Umzug und Meisterschaft

An dieser Stelle sei noch einmal Friedrich von Wilpert zitiert, der 1979 über diese Zeit folgendes schrieb:

Dr. Herzog fiel die nicht leichte Aufgabe zu, ein neues Klublokal ausfindig zu machen, da bei der immer größer werdenden Zahl der Mitglieder die Räume im 'Rheinischen Hof' nicht ausreichten. So leid es den Schachfreunden auch tat, sich von ‚Mutter Claes' zu trennen, musste dieser Entschluss doch gefasst werden, als im neuerbauten Pfarrheim St. Marien sich räumliche Möglichkeiten anboten, die auch für eine weitere Zukunft einen geregelten Spielbetrieb gewährleisteten. Das neue Klublokal erfüllt alle berechtigten Wünsche.

Unter der besonnenen Führung von Dr. Josef Herzog wurde das 'Klima' im Klub immer harmonischer, man freute sich auf jeden neuen Spielabend, Schmerzlich war freilich der Abstieg der ersten Mannschaft des Klubs aus der höchsten Spielklasse des Verbandes im Jahre 1975 infolge einer Reihe unglücklicher Niederlagen. Aber schon im Jahre 1976 stieg sie ungeschlagen wieder in die Oberliga auf. Sie behauptete sich hier im darauffolgenden Jahr, erkämpfte 1978 bereits einen vierten Platz und wurde im folgenden Jahr in der Besetzung Servatius Knebel, Jobst Hinne, Dr. Frithjof Wahl, Horst Geuer, Dr. Detlev Müller-Using, Stephan Finge, Thomas Gathen und Hans Lotzien sowie mit den Wechselspielern Gottfried Schumacher, Jürgen Röttgen, Bernd Hänze und Andre Schulz Meister des Schachverbandes Mittelrhein und Aufsteiger zur Bundesklasse von Nordrhein-Westfalen.

Diese kurze, knappe Darstellung gibt die damalige Situation richtig wieder. Ich selbst, maßgeblich in der Vorstandsarbeit tätig, habe dem eigentlich nichts hinzuzufügen Dennoch will ich auf einige Punkte eingehen, die ich beim Durchblättern der Niederschriften und alten Aufzeichnungen fand, und von denen ich glaube, dass sie es wert sind, für spätere Jahre festgehalten zu werden.

Horst Geuer, in den 50er Jahren selbst fünfmal Jugendmeister des Schachbezirks, 1953 Jugendmeister am Mittelrhein und 1955 Bezirksmeister der Erwachsenen, baute Mitte der siebziger Jahre an seinem neuen Wohnort Oberpleis eine starke Jugendgruppe auf, die zunächst in loser Form an den Godesberger SK angebunden wurde, sich dann später zum großen Teil unserem Klub anschloss und für eine wesentliche Verstärkung sorgte.

Ehrung Horst Geuer (rechts) beim »Lebendes Schach« (1951) für einer seiner Meisterschaften

Beispielhaft nenne ich die Namen Stephan Finge, Thomas Gathen und Jürgen Röttgen. Sie und die von Heinz-Josef Ullrich betreuten 'Alt-Godesberger' bildeten eine starke Mannschaft, über deren großartige Erfolge nachstehend aus der Feder von Torsten Arnold in Auszügen berichtet wird. Er schreibt:

Wer versucht, die Erfolge unseres Vereins in leuchtenden Farben darzustellen, kommt nicht umhin, die Palette der youngsters, oder joung stars, mitzubenutzen. Die Erfolge reichen Jahrzehnte weit zurück: Schon Horst Geuer wurde 1953 Verbandsmeister und baute in den 60er- und 70er Jahren mit Heinz-Josef Ullrich die Jugendabteilung des Vereins auf und führte sie durch intensive Arbeit zu großen Erfolgen. Erste große Früchte trug diese Arbeit 1972 mit Klaus Höllig, der Mittelrhein-Meister wurde und bei der Deutschen Meisterschaft der Jugend auf Anhieb den zweiten Platz belegte.

Kurze Zeit später holten Stephan Finge und Thomas Gathen Kreis- und Verbandsmeisterschaften. 1976 sorgte ein weiteres Godesberger Talent für Furore: Die erst 11-jährige Gisela Bühl wurde Mittelrhein-Meisterin und war im gleichen Jahr die jüngste Teilnehmerin an der Deutschen Meisterschaft. Auch 1978 ließ sie die Konkurrenz auf Mittelrhein-Ebene überlegen hinter sich.

Die Jugendarbeit hatte inzwischen schon eine starke Mannschaft hervorgebracht, die 1978 NRW-Meister wurde und an der Deutschen Meisterschaft teilnahm. Hier kehrte sie mit einem hervorragenden dritten Platz heim, wobei sie punktegleich mit dem Deutschen Meister Hamburger SK blieb und in der Schlussrunde wohl sogar noch viel Pech hatte. Für den großen Erfolg waren Stephan Finge, Thomas Gathen, Jürgen Röttgen, Bernd Hänze, Andre Schulz, Markus Fröhlich und natürlich Gisela Bühl verantwortlich. Danach kam erst einmal eine Sendepause im Programm der hoffnungsvollen Jugend. Zu viele Leistungsträger hatten die Altersgrenze erreicht.

Der Neuaufbau zog sich einige Jahre hin. Anno Kehr war der erste Godesberger, der mal wieder in überregionalen Zeitungen zu finden war, als er 1984 Deutscher Meister der Muskelkranken wurde.

Und im Laufe der 80er Jahre begann nun eine neue hoffnungsbeladene Truppe in Bad Godesberg zu reifen. Eher unauffällig war hier das Wirken von Gerhard Barning, der nach und nach meist hoffnungsvolle Talente aus Meckenheim noch Godesberg führte (als Beispiele seien hier vor allem Joachim Wintzer und – mit Umwegen – Christian Mielke genannt). So waren schon 1984 fünf Stammspieler der Mannschaft, die in die NRW-Liga aufstieg, durch ihn zu uns gestoßen. Und diese Mannschaft war es dann bis auf wenige personelle Veränderungen (ja, ja, das Alter, auch mich hat's hier erwischt!), die den größten Vereinserfolg erreichte.

Zunächst verfehlte sie nur knapp die direkte Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, doch der Vorstand erkannte die Gunst der Stunde und verhalf der Jugendmannschaft durch das Ausrichten der Deutschen Meisterschaft zu einem Freiplatz. Joachim Wintzer, Franz Mauelshagen, Christian Mielke, Bernhard Wintzer, Daniel Eisermann, Christof Wulfken, Dagmar Drewelius und Alexander von Kap-herr spielten mit Gerd Schniggenberg als Reservist locker flockig als Außenseiter mit und versuchten, einem der 'Großen' ein Bein zu stellen oder sonst wie ein bisschen mitzumischen. Nun ja, sie stellten und sie mischten ganz gewaltig:

Nach einem knappen Sieg in der ersten Runde behauptete sich die Truppe zunächst mit einem 4:4 gegen den NRW-Landesmeister Duisburg und schien nun so in Schwung zu kommen, dass aus dem krassen Außenseiter nach und nach der Favorit wurde, da die Konkurrenz oft genug brüderlich die Punkte teilte und unsere Vereinstruppe bis zur letzten Runde nur noch siegte und sich so an die Spitze der Tabelle setzte. Als schließlich in der letzten Runde auch der hohe Favorit der Meisterschaft, der Hamburger SK, an die Wand gedrückt wurde und um ein 4:4 flehte, tat unsere Mannschaft ihm den Gefallen und blieb damit uneinholbar vorne.

Zum ersten Mal hatte eine Godesberger Mannschaft einen Deutschen Meistertitel erkämpft. Der Jubel der Godesberger Zuschauermassen war dementsprechend groß. Seitdem hielt nur noch Dagmar Drewelius, die die erfolgreichste Spielerin dieses Turniers war, die Godesberger Fahne hoch. So wurde sie NRW-Meisterin und belegte bei den Deutschen Einzel-Meisterschaften einen hervorragenden siebten Rang.

Im Moment befindet sich die Jugendmannschaft wieder in einer ihrer Aufbauphasen, und diese waren ja schon zweimal schließlich von Erfolg gekrönt. Es bleibt zu hoffen, dass das hart erarbeitete Auf mit dem altersbedingten Ab dieser Mannschaft nicht aus dem Rhythmus kommt.

Ein Nachtrag noch:
Wenn ich mich hier bemüht habe, die Geschichte der Vereinserfolge unserer Jugendlichen sachlich darzustellen, so liegt mir doch daran, dass unter der Euphorie der Erfolge nicht die menschliche Komponente verloren geht. Ich möchte hier vor allem daran erinnern, welchen Verlust der Godesberger SK durch den plötzlichen Tod von Anno Kehr erlitten hat, der von jedem, der ihn kannte, hoch geschätzt und ob seiner Lebenskraft bewundert wurde. Auch er hat jahrelang in der genannten Jugendmannschaft mitgekämpft und diesen großen Triumph verdient.

Das schrieb Torsten Arnold, manche Jahre bis zu seinem beruflichen Wechsel nach Stuttgart Mitglied des Vorstandes, im Jahre 1989, ruckschauend anlässlich des 60. Gründungsfestes.

Im Jahre 1975 starben die beiden Veteranen Josef Ließ und Dr. Bordfeld. Im gleichen Jahr übernahm Servatius Knebel die Position des stellvertretenden Vorsitzenden. Gerhard Barning wurde wieder Schriftführer und Gottfried Schumacher Gerätewart. Der Klub zählte damals 75 Mitglieder.

Die schon angedeutete schwere Entscheidung in der Spiellokal-Frage war sicherlich rückwirkend betrachtet die einzig mögliche. Seinerzeit aber ist sie uns allen, insbesondere wegen des ausgezeichneten Verhältnisses zu 'Mutter Claes', sehr schwergefallen. Denn wir tauschten die anheimelnde Atmosphäre einer kleinen Gastwirtschaft mit einem gemütlichen Vereinszimmer gegen mehrere, im Vergleich dazu trotz Holzverkleidung ein wenig nüchtern wirkende Säle. Wir gewannen viel Platz und die Sicherheit, die die Kirche und ein langfristiger Vertrag uns boten, aber wir gaben auch etwas auf, und zwar nicht nur 'ein frisches Bier aus dem Zapfhahn'.

Mit dem Beschluss vom 18. Mai 1976 und dem Umzug zwei Monate später ließen wir eine Atmosphäre zurück, die wir nie mehr in den folgenden Jahren einfangen konnten. Die fröhlichen, unbeschwerten Jahre der Jugend waren endgültig vorbei, der Klub war erwachsen geworden.

Rückschauend betrachtet, ist die Entscheidung sicher richtig. Gaststätte und Sälchen gibt es schon lange nicht mehr. 'Mutter Claes' ruht seit vielen Jahren auf dem Burgfriedhof. Aber wir erinnern uns stets noch gerne unserer schönsten Jahre bei ihr.

Die Größe des Klubs mit jetzt schon über 80 Mitgliedern zwang uns bereits 1976, die Aufgaben der Turnierleitung aufzuteilen. Ich war in Zukunft nur noch zuständig für Mannschaften. Um die Einzelturniere kümmerte sich Gottfried Schumacher, der zusätzlich Gerätewart war.

Mit Gisela Bühl trug erstmals ein Mädchen die Farben des GSK. Sie war talentiert, gewann die Bezirks- und dann die Verbandsmeisterschaft der Mädchen und nahm auch mit Erfolg an der Deutschen Einzelmeisterschaft teil.

Im Jahre 1977 hatten wir nach langer Zeit wieder einmal vier Mannschaften 'im Rennen'. Ein wenig überraschend stieg die zweite aus der Verbandsliga ab. Es änderte sich jedoch nichts, denn die dritte stieg im gleichen Jahr auf. Lobend konnte ich seinerzeit feststellen, dass die Bereitschaft, an Mannschaftskämpfen mitzuwirken, sich wieder gebessert habe.

Als Dr. Josef Herzog am 26. Januar 1979 nicht unerwartet die Mitgliederversammlung bat, von einer Wiederwahl Abstand zu nehmen, konnte er auf sechs erfolgreiche Jahre an der Spitze des GSK zurückblicken. Die Weichen in eine Zukunft, in der unser Godesberger SK zu den größten deutschen Vereinen gehört und schachsportlich auch überregional eine Rolle spielt, waren gestellt.

Die Versammlung wählte In geheimer Wahl den 2. Vorsitzenden Servatius Knebel zum Nachfolger. Zu seinem Stellvertreter wurde Dr. Frithjof Wahl bestimmt. Ich blieb weiterhin Turnierleiter, Hans Peter Forsbach Rechnungsführer und Heinz Josef Ullrich Jugendwart. Die Aufgaben des Gerätewarts übernahm Franz Langenfeld.

Tradition und Fortschritt mit Servatius Knebel

In einem Willkommensgruß für die Teilnehmer der Deutschen Einzelmeisterschaft 1979 im Blitzschach hat Servatius Knebel angedeutet, wie er seine Aufgabe sieht. Er führte damals aus: Es gilt, die Tradition zu wahren, dem Fortschritt aber tolerant, wenn auch kritisch gegenüberzustehen.

An diesen Leitsatz hat er sich elf Jahre konsequent gehalten und dabei den Godesberger SK zu einer Größe geführt, die man noch vor zwei Jahrzehnten nicht für möglich gehalten hätte.

Servatius Knebel

Das erste große Ereignis, das in 'seine' Zeit fällt, war ganz sicher das 50. Vereinsjubiläum. Am 19. und 20. Mai 1979 kämpften in der Stadthalle Bad Godesberg 36 Spitzenspieler im Blitzschach aus der ganzen Bundesrepublik um Meistertitel und Preise. Es siegte IM Karlheinz Podzielny. Hans Lotzien schlug sich recht wacker und verbuchte mit einem Platz im Mittelfeld einen Achtungserfolg.

Großmeister Vlastimil Hort konnte für eine Simultan-Vorstellung gewonnen werden. Er spielte an 44 Brettern gegen GSK-Mitglieder und Gäste. Dabei gab es für ihn 33 Siege, 7 Unentschieden (Gisela Bühl, Wolfgang Fidelak, Thomas Gathen, Andre Schulz, Günter Poell, Ralf Linnemann und Dieter Zysk) und 4 Niederlagen (Stephan Finge, Gottfried Schumacher, Martin Schäfer und Klaus Gawehns).

Am Vorabend fand ein Blitzturnier statt. 60 Teilnehmer aus dem ganzen Verbandsgebiet waren vertreten. Es siegte IM Karlheinz Podzielny vor GM Hort und IM Gerusel.

Die Festwoche klang aus mit einem Vergleichskampf an 31 Brettern gegen den Bundesligisten SC Kettig. Zwar unterlagen wir 13:18, hielten uns aber doch recht achtbar. Anschließend wurde erstmals nach vielen Jahren 'im alten Stile' gefeiert.

Große Freude natürlich im Lager des GSK auch über den Aufstieg der ersten Mannschaft zur NRW-Klasse. Sie siegte in der laufenden Saison siebenmal und spielte nur zweimal unentschieden. Kein Kampf ging verloren. Bester Einzelspieler war seinerzeit Jobst Hinne mit 7 Siegen, während Stephan Finge, Thomas Gathen und Hans Lotzien 6,5 Punkte erreichten. Mit gutem Erfolg spielte die zweite Vertretung in der Verbandsliga, während die dritte in der Bezirksliga Bonn Vizemeister wurde. Auch die vierte Vertretung konnte sich einen geteilten 2. Platz in der Bezirksklasse sichern.

In der Klubmeisterschaft ging die Ära Hinne zu Ende. Wenn der Chronist richtig gerechnet hat, dann hat sich 'Jobi' mindestens ein Dutzend mal den Titel gesichert. Jetzt löste ihn Servatius Knebel ab.

Auch die Berichte von Heinz-Josef Ullrich und Hans Peter Forsbach lassen deutlich die gute Situation des Klubs beim Start in eine neue Zeit erkennen. So wird denn auch auf Antrag des neuen Vorsitzenden beschlossen, die Wahlzeit des Vorstandes auf zwei Jahre zu verlängern, um leichter mittelfristige Planungen zu ermöglichen.

Die positive Entwicklung schreitet fort. Am 12. Dezember 1980 begrüßt Servatius Knebel anlässlich der JHV mit dem damaligen Jugendlichen Christof Wulfken das 100. Mitglied. Er gedenkt unserer früheren Vereinswirtin Maria Claes und des Ehrenmitgliedes Gustav Peter, die im Jahre 1980 beide verstorben sind.

Erstmals kann der Vorsitzende in seinem Jahresbericht auf die Veröffentlichungen in unserer damals neuen Vereinszeitung, die einige Jahre später den Namen 'GSK-Info' tragen wird, Bezug nehmen. Dies will ich nun im Rahmen dieser Chronik auch für die nächsten Jahrzehnte tun und mich auf die herausragenden Punkte dieser Zeit beschränken.

Dazu gehört zweifellos der Aufstieg der ersten Mannschaft in die NRW-Liga im Jahre 1980, verbunden mit der Feststellung, dass zum ersten Mal eine Mannschaft des Godesberger SK die höchste Spielklasse auf Landesebene erreicht hat. Nun werden auch fünf Mannschaften gemeldet. Mit der Blitz-Mannschaft sind wir jetzt regelmäßig auf Bezirks und Verbandsebene im Vorderfeld oder ganz an der Spitze. Unter Hans Peter Forsbach gestalten sich die finanziellen Verhältnisse des GSK immer positiver und es ist bereits von erfreuliche ‚Rücklagen’ die Rede.

Am Ende des Jahres 1982 hat der GSK schon sechs Mannschaften 'im Rennen'. Gottfried Schumacher, neuer Jugendwart, trainiert über 20 Jugendliche. Als Vorbild holt er selbst den Bezirkspokal, setzt sich auch auf Verbandsebene durch und erreicht auf NRW-Ebene das Halbfinale. Das war damals hinter Jobst Hinne das zweitbeste Ergebnis eines Spielers aus dem GSK in diesem Wettbewerb.

Ein Jahr später enthält mein Bericht einen Wermutstropfen. Die erste Mannschaft ist aus der NRW-Liga wieder abgestiegen, weil fünf von zwölf Mannschaften die Klasse verlassen müssen. Zur Entlastung und Unterstützung des Turnierleiters wird ein Turnier-Ausschuss gewählt, in dem jede Mannschaft mit einem Delegierten vertreten ist.

Im Jahre 1984 stirbt Rudolf Kirchbach. Er war viele Jahre Vorstandsmitglied, wie in dieser Chronik nachzulesen ist.

Aus Anlass des 55. Vereinsjubiläums richtet der GSK die Stadtmeisterschaft aus, die mit über 90 Teilnehmern seinerzeit das größte bisher in Bonndurchgeführte Turnier war.

Erstmals in der Geschichte des Klubs steigt die zweite Mannschaft in die Oberliga Mittelrhein auf, während die erste erneut im Kampf um den Wiederaufstieg als klarer Favorit mehr an den Nerven als am Gegner scheiterte.

Dr. Marian vom deutschen Meister SG Porz, wird als Spitzenspieler für die Nachwuchsförderung engagiert. Torsten Arnold, rühriger Jugendwart, kann von großen Erfolgen berichten. Dabei weist er unter anderem auf die Leistungen der vierten Mannschaft hin, bei der es sich um eine reine Junioren-Truppe handelt.

Im Jahre 1985 ist es dann endlich so weit. Die erste Mannschaft kann den Aufstieg in die NRW-Liga nicht mehr verhindern. Nach drei vergeblichen Anläufen wird sie ungeschlagen Mittelrhein-Meister. Hervorragend spielt auch die jetzt von Hans Lotzien trainierte Jugendmannschaft.

Klubmeister im Abonnement Servatius Knebel wird von Ferdinand Roski abgelöst, der ein hervorragend besetztes Turnier gewinnt. Erstmals reift der Gedanke, ein Schnellturnier zu veranstalten. Gottfried Schumacher richtet es aus.

Das Jahr 1986 brachte uns Trauer und Freude zugleich.. Johann Arndt und Anno Kehr entschliefen noch schwerer Krankheit. Die Mitgliederzahl stieg um weitere 14, und erstmals wird von Aufnahme-Stop gesprochen.

Die erste Mannschaft belegt in der NRW-Liga einen großartigen vierten Platz, und Hans Lotzien wird NRW-Vizemeister im Blitzschach.

Unsere Jugendmannschaft erreicht in der NRW-Liga nur den dritten Platz, obwohl sie fast während der ganzen Spielzeit führte. Die große Enttäuschung, vor allem in der Mannschaft, veranlasste den Vorstand, sich um die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft für Jugendmannschaften zu bewerben.

Joachim und Bernhard Wintzer, Franz Mauelshagen, Christian Mielke, Daniel Eisermann, Christof Wulfken, Dagmar Drewelius und Alexander von Kap-Herr sowie Ersatzspieler Gerd Schniggenberg sollten die Chance haben, über den Freiplatz teilzunehmen. Niemand dachte damals an den Titel.

Der Deutsche Schachbund gab uns den Zuschlag. Die Veranstaltung fand zwischen Weihnachten und Neujahr 1986/87 statt und endete mit der großen Sensation des Titelgewinns. Darüber lesen Sie mehr im Jugend-Bericht von Torsten Arnold an anderer Stelle dieser Chronik.

Zu Beginn der Jahreshauptversammlung 1987 gedenkt der Vorsitzende Servatius Knebel des langjährigen Vorsitzenden Hans Saßnick aus Anlass seines 100. Geburtstages.

Bedingt durch die Ausrichtung der Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Jugend klettert der ausgeglichene Etat auf seinerzeit schwindelerregende 20.000 DM. In der NRW-Liga verpassen wir knapp den Aufstieg zur 2. Bundesliga. Wir bekommen zwar in einem Protestverfahren ‚moralisch’ Recht, werden aber mit dem Hinweis auf einen angeblichen Fristablauf abgespeist. In der Oberliga wird die zweite Mannschaft Vizemeister, und die dritte Mannschaft erreicht ebenfalls diese Klasse.

Der langen Liste der Klubmeisterschaften fügen Dietrich Stobik und Jens Lütke ihre Namen an. Am Klubturnier beteiligen sich erstmals über 80 Mitglieder. Servatius Knebel wird für 40-jährige Mitgliedschaft im GSK ebenso geehrt wie Friedrich Vogel für 30 Jahre währende Treue.

Aus turniersportlicher Sicht ist zweifellos der Aufstieg der ersten Mannschaft in die 2. Bundesliga das herausragende Ereignis des Jahres 1988. Leider konnte die Klasse nicht gehalten werden, denn von zehn Mannschaften mussten drei absteigen, weil zwei Westvereine in der 1. Bundesliga nicht den Klassenerhalt schafften.

Für den Klub ging eine weitere Ära zu Ende. Servatius Knebel stellte sich als 1. Vorsitzender ebenso nicht mehr zur Wahl wie sein Stellvertreter Dr. Frithjof Wahl. Auch der Rechnungsführer Hans Peter Forsbach, der Jugendwart Ralf Linnemann und der Gerätewart Franz Langenfeld traten mit Ablauf ihrer zweijährigen Amtszeit aus den unterschiedlichsten Gründen zurück. Im Amt blieben lediglich der bereits 1984 zunächst zum stellvertretenden Turnierleiter und später dann zum Turnierleiter für die Einzelmeisterschaften ernannte Christof Wulfken sowie der 1987 als Schriftführer nachgerückte Torsten Arnold und ich.

Hier endet dann Teil I der Chronik des GSK.

Günter Poell